Sprechen von Gott

Die Spra­che prägt unser Han­deln und unsere Ver­kün­di­gung in der Pas­to­ral nach­hal­tig. Um von den Men­schen ver­stan­den zu wer­den, müs­sen wir eine ver­ständ­li­che Spra­che spre­chen, nicht nur im täg­li­chen Umgang mit den Men­schen, son­dern auch in der Liturgie.

Da schon im Herbst das revi­dierte deut­sche Mess­buch vor­ge­legt und ver­ab­schie­det wer­den soll, beschäf­tigte sich auf der Tagung in Offen­burg am 04.06.2013 eine Arbeits­gruppe von Pries­tern und Dia­ko­nen mit den The­men “Neues Mess­buch” und “Theo­lo­gi­sche Spra­che”. Dabei wurde deut­lich, dass es Grund­vor­aus­set­zung der Ver­kün­di­gung ist, von den Men­schen über­haupt noch ver­stan­den zu wer­den. Spra­che und Theo­lo­gie haben sich im Laufe der Zeit ver­än­dert und gewan­delt. Die Folge ist, dass sehr viele Glau­bens­for­mu­lie­run­gen heute von den Men­schen nicht mehr ver­stan­den bzw. ange­nom­men wer­den kön­nen. Viele Men­schen fin­den sich, ihr Leben und ihre The­men in den Glau­bens­aus­sa­gen von frü­her nicht mehr wie­der. Sie wen­den sich von der Kir­che ab und ande­ren (Heils-)Angeboten zu.

Daher ist es nahe­lie­gend, dass diese ver­än­derte Sprech– und Denk­weise auch alle lit­ur­gi­schen Texte prä­gen sollte, ins­be­son­dere auch das neue Mess­buch. Wir wol­len es gerne benut­zen können.

Im „Christ in der Gegen­wart“ (Jg. 65, Nr.14, S. 143ff) äußert Ste­phan U. Neu­mann unter der Über­schrift „Mess­buch Latein – nur auf Deutsch“ deut­lich Kri­tik an der geplan­ten Neu­über­set­zung, die eine zu starke Nähe zur Aus­gangs­spra­che Latein auf Kos­ten der von den Men­schen heute gespro­che­nen Spra­che auf­weist. Aus Pres­se­mel­dun­gen ist zu ent­neh­men, dass das revi­dierte deut­sche Mess­buch in der Herbst­voll­ver­samm­lung der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz mög­li­cher­weise zur Ver­ab­schie­dung auf der Tages­ord­nung steht.

Gerade in der Frage der getreuen Über­set­zung gilt das Wort des Apos­tels Pau­lus: „Der Buch­stabe tötet, der Geist macht leben­dig!“ Wir brau­chen drin­gend eine Spra­che, die heu­tige Men­schen in ihrem Glau­ben stärkt und den Dia­log mit Gott im Gebet ermög­licht. Nur so kön­nen sie aktiv an der Lit­ur­gie teil­neh­men. Das II. Vat. Kon­zil mahnt in SC eine „par­ti­ci­pa­tio faci­lis“ und eine „par­ti­ci­pa­tio con­scia“ an. Eine „leichte“ und „bewußte“ Teil­nahme ist jedoch nur dann mög­lich, wenn die Spra­che der Lit­ur­gie nicht zu weit weg ist von der Spra­che und dem Emp­fin­den der Men­schen und zu wenig poe­tisch und inspi­rie­rend wirkt.

Ein neues Mess­buch, das diese Schwie­rig­kei­ten statt sie abzu­ar­bei­ten noch ver­stärkt, wird vor­aus­sicht­lich von vie­len Pries­tern (aus Gewis­sens­grün­den) abge­lehnt und von den Gemein­den nicht akzep­tiert und ver­stan­den wer­den. Es wird nicht zu grö­ße­rer Ein­heit in der Kir­che füh­ren, son­dern Spal­tung her­vor­ru­fen und „Wild­wuchs“ fördern.

Papst Fran­zis­kus hat in den weni­gen Tagen sei­nes Pon­ti­fi­ka­tes deut­li­che Zei­chen gesetzt, die auf ein kol­le­gia­le­res Mit­ein­an­der mit den Bischö­fen und auf das Ende des über­zo­ge­nen römi­schen Zen­tra­lis­mus hof­fen lassen.

Als Kar­di­nal hatte er sich zur Ein­heit in der Viel­falt fol­gen­der­ma­ßen geäußert:

In der Kir­che bewirkt der Hei­lige Geist die Har­mo­nie. Einer der ers­ten Kir­chen­vä­ter schrieb, dass der Hei­lige Geist „ipse har­mo­nia est“: er selbst ist Har­mo­nie. Er allein ist zugleich Urhe­ber der Ein­heit und der Viel­falt. Der Geist allein bewirkt Ver­schie­den­heit, Viel­falt, und gleich­zei­tig Ein­heit. Denn wenn wir es sind, die Ver­schie­den­heit machen, kommt es zu Schis­men, und wenn wir es sind, die die Ein­heit wol­len, kommt es zur Uni­for­mi­tät und Gleichschaltung.”

Das Aus­har­ren im Glau­ben impli­ziert das Hin­aus­ge­hen. Denn gerade dadurch, dass man im Herrn bleibt, geht man aus sich selbst her­aus. Para­do­xer­weise gerade dann, wenn man bleibt, ändert man sich, weil man gläu­big ist. Man bleibt nicht gläu­big, wenn man wie die Tra­di­tio­na­lis­ten oder die Fun­da­men­ta­lis­ten am Buch­sta­ben klebt. Treue ist immer Ände­rung, Auf­kei­men, Wachs­tum. Der Herr bewirkt eine Ände­rung in dem, der ihm treu ist. Das ist die katho­li­sche Glau­bens­lehre.” (Quelle)

Auf­grund die­ser Über­le­gun­gen haben die Teil­neh­mer der Offen­bur­ger Tagung mit gro­ßer Mehr­heit beschlos­sen, die Pries­ter und Dia­kone unse­rer Erz­diö­zese um ihre Unter­stüt­zung in die­sem Anlie­gen (s. Anlage) zu bit­ten.
Mit Ihrer Unter­schrift brin­gen Sie zum einen Ihre Sorge um eine immer grö­ßer wer­den­den Kluft zwi­schen der All­tags­er­fah­rung der Men­schen von heute einer­seits und dem Glau­ben ande­rer­seits zum Aus­druck; außer­dem set­zen Sie sich dafür ein, dass durch uns und unser Reden und Han­deln die Men­schen wie­der näher an die Quel­len und Ursprünge des Glau­bens und Lebens geführt wer­den kön­nen.
In die­sem Sinn bit­ten wir Sie um Unter­stüt­zung die­ses so wich­ti­gen Anliegens.

Mit kol­le­gia­len Grüßen

– für die Initia­to­ren –
Lud­wig Hön­lin­ger, Hubert Kim­mig, Kon­rad Irs­lin­ger, Andreas Korol, Her­bert Mal­za­cher, Hel­mut Milt­ner, Die­ter Nes­sel­hauf, Wer­ner Ruschil, Peter Stengele